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Esoterik und Verschwörungstheorien

28. Januar 2013

In dem Jahr, in dem ich nun ‚in Transition‘ bin, wurden mir häufig Angebote gemacht, an speziellen ‚Erkenntnissen‘ teilzuhaben, die der/diejenige für wichtig und passend hielt. Ich teile diese mal ganz grob ein in esoterische Rezepte, Methoden und Glaubenssätze, und in Verschwörungstheorien darüber, wie die Welt ‚wirklich‘ ist. Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich im Sinne von Transition tolerant sein sollte gegenüber diesen mir unlogisch erscheinenden Ideen, habe mir vieles angehört, mich mit einigem beschäftigt, und bin zu dem Schluss gekommen: Nein, denn es bekommt mir nicht gut, mich zurückzuhalten aus Rücksicht auf die Gefühle anderer und das Prinzip, dass wir alle gleichermaßen, unabhängig von unserer Philosophie oder Religion, an der Energiewende arbeiten müssen.

Doch was ist mein Problem? Bin ich einfach nur engstirnig? Ich glaube nicht, zumindest wenn es um Ansätze und Geschichten geht, die Menschen entmündigen und damit der Transition-Idee zuwider laufen. Dies kann man natürlich nicht einfach alles in einen Topf werfen, deshalb versuche ich, etwas zu differenzieren:
Zum einen sind da die Welterklärungen, die dunkle Mächte am Werk sehen, die ihre fiesen Machenschaften vor uns einfachen Menschen verborgen halten, damit sie uns kontrollieren und ausbeuten können. Es ist sicher so, dass wir vieles nicht wissen oder verstehen, was mit uns gemacht wird. Doch es hilft wenig, seine Zeit damit zu vergeuden, immer unwahrscheinlichere Erklärungen zu suchen, was ‚in Wirklichkeit‘ vor sich geht. Viel wichtiger ist es doch, endlich damit anzufangen, dass wir die Gestaltung unseres eigenen Lebens und Lebensraumes wieder in die eigenen Hände nehmen. Macht haben nur diejenigen, denen wir sie überlassen, das hat schon der Fall der Mauer gezeigt. Ein wesentlicher Teil von Transition ist es, nicht mehr ohnmächtig zu bleiben, sondern sich nachbarschaftlich zu organisieren.
Zum anderen sind da die Geheimtips, wie man Energieströme aktivieren, durch ultimative Verdünnung hochwirksame Dünger herstellen, mein Karma reinigen oder durch spirituelle Erleuchtung die Welt verbessern kann. Ich möchte niemandem abstreiten, dass da vielleicht auch wirklich mal etwas dabei ist, das ich nur in Unkenntniss für absurd halte. Viele Ideen haben so angefangen, die wir heute für selbstverständlich halten. Allerdings ziehe ich Methoden vor, die man, ohne viel Geld an Gurus/Lehrer/Ratgeberautoren/Hersteller von was-auch-immer zu zahlen, mit solchen einfachsten Mitteln selbst reproduzieren kann, wie ich sie in meiner lokalen Umwelt vorfinde. Ich möchte lieber meinen eigenen Körper, Geist und Garten befragen, was ihm gut tut, statt mir ‚Weisheiten‘ anderer Kulturen zu importieren, die unter ganz anderen Vorzeichen für ganz andere Bedürfnisse und in ganz anderen Zusammenhängen entwickelt, und dann vielleicht auch noch falsch überliefert und übersetzt wurden. Ein wesentlicher Teil von Transition ist die Selbst-Ermächtigung, wieder für das eigene Wohlergehen sorgen zu können, und das weitestgehend auf Basis der lokal vorhandenen Traditionen und erneuerbaren Ressourcen. Ein anderer ist, dass jeder Ort seine eigenen Lösungen hat und braucht; einfache Lösungen für alles gibt es nicht, nur Anregungen, die man adaptieren kann. Und noch einer: es gibt keine Gurus und keine erleuchteten Weisen, die uns zeigen, wohin wir gehen müssen; es gibt nur das spannende soziale Experiment, gemeinsam in die Zukunft zu wandeln.
All dies ist es, was mir Transition als Bewegung so anziehened und als Konzept so überzeugend gemacht hat. Wer etwas anderes sucht, der mag dies gerne mit anderen Menschen in anderen Gruppen tun. In diesem Sinne möchte ich mich bei all den Wohlmeinenden bedanken für ihr Vertrauen und muss sie dennoch leider enttäuschen: Ich bin für all das die falsche Ansprechperson, bitte sucht euch jemand anderen zum Verbreiten und Diskutieren eurer ‚Erkenntnisse‘ und ‚Wahrheiten‘.

Eure etwas esoterik-verschwörungstheorie-erschöpfte Admin-Maike

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2 Kommentare leave one →
  1. Manfred Ebel permalink
    16. Oktober 2013 17:39

    Hallo Maike,
    ein paar Tage ist Dein Text ja schon im Web.
    Du sprichst eine Themengruppe an, die symptomatisch für die Wandelbewegung steht. So scheint es mir und Dein Beitrag bestätigt es.
    Was ich allen zugute halte: Es ist ein Bemühen um eine plausible Weltsicht und der ehrliche Wille, Veränderungen für sich selbst und die Gesellschaft herbeizuführen. Das sollte auch unser kleinster gemeinsamer Nenner sein. Auf dieser Basis gehe ich Gesprächsaustausch ein.
    Konkret hatten wir bei uns einen Streit um Veganer, die bei uns eine Infoveranstaltung machten. Wohl gemerkt: Ich respektiere deren Ernährungswunsch, wie ich ihn auch toleriere, aber auch nicht akzeptiere.
    Mismutig wurde ich, als die Gruppe sich als die besten Umweltschützer, die besten Tierschützer u.ä.m. bezeichneten, sich selbst quasi als Elite hinstellen und Nichtveganer diskreditieren. Auf meinen Hinweis darauf erntete ich durchweg Unverständnis.
    Zweites Beispiel: Viele der Wandler beschäftigen sich mit „Terra Preta“. Da gibt es schlaue Experten und Seminare und und … Dabei ist Terra Preta denkbar einfach zu realisieren.
    Es gäbe weitere Beispiele.
    Darin sehe ich Analogien zur Entstehungsgeschichte der „Grünen“, die mittlerweile voll etabliert sind und auch bedauerlicherweise einen deutlichen Trend zur Kommerzialsierung der Transition-Bewegung. Schon gibt es wieder einige, die daraus persönlich Kaptial schlagen. Und das ist der Todesstoß für die Bewegung.
    Dennoch: Wenn wir nur kapitalistische Handlungsmuster und Erklärungsmodelle haben, was erwarten wir?
    Transitioner betonen zur Zeit den Grundsatz, mit dem Herzen dabei zu sein. Allen, die wirklich an Änderungen der gesellschaftlichen Handlungsmaximen interessiert sind, sei jedoch gesagt, dass an Wissen und ’selbst denken‘ kein Weg vorbeiführt.
    selbst denken – selbst tun
    bleib bitte dran
    Manfred
    TuT- Trebbin und Thyrow im Wandel

  2. Maike permalink*
    14. März 2013 13:27

    Ich habe hier (permaculturenews.org/2011/12/08/permaculture-and-metaphysics/) dazu eine Diskussion gefunden, die dasselbe Thema für die Permakultur diskutiert, aus der die Transition-Idee entwickelt wurde.

    Craig spricht mir dabei besser aus der Seele, als ich das selbst konnte (Leider nur in Englisch):

    „The danger for Permaculture is that in allowing teachers to attach mysticism and / or their own brand of spirituality to their teachings, the actions of a few, essentially become the main perception in the wider community. Once the perception is established in the community, that Permaculture is a quasi religion, it would be very hard to change.

    Permaculture is about agriculture, design and regenerative systems first and foremost.

    If Permaculture was seen as a qausi religious movement, it would hamper the opportunities to work across all cultures, countries and environments. Given the diversity of cultures and religions across the planet (and history), you can quickly imagine that if spirituality became a defining theme for permaculture then quite a few doors would close.

    It’s interesting that you mentioned bio-dynamics. From what I’ve seen, the bio-dynamic system works. On the other hand though, because of the mysticism surrounding the various soil additives and preparations, it just turns me off. It is a far better outcome for the people involved to understand why outcomes are being achieved. You also need to give people the design tools and understanding so that they can implement more effective / regenerative methods of production. If I were a farmer in the developing world, the last thing that I’d want more of is mystical concoctions sold at a price. Education is far more valuable and it should be proven and replicable in local conditions.

    The Permaculture movement is an essentially self regulating entity. As such, it is required to regulate its members. That thought will probably upset the libertarians out there, but if the movement fails to regulate itself, then the value of the courses will be diluted to the individuals having already taken them or considering taking them in future. Additionally, future opportunities will be lost and the movement will probably be relegated to the fringe.

    I live on a farm and am fairly pragmatic. The question that comes to my mind is, would I pay for a permaculture consultant to come here and have a look around and come up with suggestions for the place? Probably. Would I pay for the same person to come up here and talk to me about their personal spiritual feelings towards the trees, at my expense of course. No.“

    Deshalb also: Keine Mystik, keine Religion, kein Glaubenssystem, keine politische Weltanschauung kann essentieller Teil von ‚Transition‘ sein, denn sie sind partikulär, parteiisch oder ersetzen Glauben durch Verstehen und Erklären. Doch niemand von uns ist erleuchtet, wir sind alle auf der Suche nach dem besten Weg.
    Transition muss ein weltweit offenes und lokal angepasstes Experiment bleiben, wenn es nicht bei den immer gleichen Aktivisten bleiben soll. Wer der Wissenschaft Vertrauen schenkt und von peak-oil und Klimawandel überzeugt ist, der weiß, dass wir uns das nicht mehr lange leisten können.

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